Hürden der Digitalisierung.

am .

Die Digitalisierung muss in den Köpfen stattfinden. Aber was geht eigentlich in den Köpfen vor?

Sehen wir uns die Ausgangssituation an. Wir haben auf der einen Seite die Vorreiter und Enthusiasten, die sich selbstständig um ihre Fortbildung kümmern, sich neue Fähigkeiten aneignen und versuchen, diese in ihrem Unterricht gezielt einzusetzen. Sie eignen sich neue tools oder Möglichkeiten selbstständig an und sammeln die erforderlichen Informationen.

Dieses Verhalten ist jedoch keineswegs die Regel. Alle Menschen sind unterschiedlich und in ihre Köpfe sehen kann man (glücklicherweise) nicht. Daher müssen wir aufgrund ihrer Reaktionen darauf schließen, was sie denken und was sie benötigen, um Vertrauen zu schöpfen. Drei mögliche Gründe:

1. Konservative Gründe:

Eine konservative Haltung ist nicht nur negativ. Man will nicht nur an alten Strukturen festhalten, weil man sich an sie gewöhnt hat, sondern weil sie sich bewährt haben. In diesem Punkt verstehe ich die Haltung. Beobachtet man jedoch genau und lauscht den Gesprächen, so erscheint nicht der Eindruck, dass kein Bedarf an etwas Neuem besteht. Bewährter Unterricht und Methoden werden nicht abgeschafft.  Neue Reize werden gesetzt und das Repertoire vergrößert. Es ergeben sich darüber hinaus Bereiche der Kommunikation und Kreativität, die ohne technische Mittel nicht möglich sind. Apropos Technik:

2. Technische Gründe:

Für den Einsatz im Unterricht ist eine gewisse Sicherheit notwendig. Das Problem dabei ist mitunter die Haltung der zukünftigen Nutzer. Natürlich brauchen viele Unterstützung und jeder hat einen anderen Zugang. Manche eignen sich neue Software leichter an als Andere und das ist auch für sich noch kein Hindernis. Als problematisch empfinde ich die Einstellung und Erwartungshaltung. „Wenn ich das benutzen soll, muss man mir das erst mal erklären“. Das klingt ja gerade so, als würde derjenige jemandem Anderen einen Gefallen tun, wenn er digitale Hilfsmittel im Unterricht einsetzt. Dabei ist es genau umgekehrt, man selbst profitiert am meisten davon. Wenn der Unterricht abwechslungsreicher wird, wenn man auf neue Werkzeuge zugreifen kann und die Schüler zusammenarbeiten können, ist dies der Lohn den man selbst erhält. Daher sollte jeder neugierig sein, die Chancen ergreifen, die sich ergeben und sich auch selbst (im Rahmen seiner Möglichkeiten) Wissen und Fertigkeiten aneignen. 

3. Ablehnende Gründe:

Manche sind der Meinung, dass Kinder und Jugendliche von technischen Geräten - wenn möglich - befreit werden sollen. Dabei übersehen sie, dass diese bereits fester Bestandteil unserer Gesellschaft sind. Ines Bieler sagt: „Die Digitalisierung geht nicht mehr weg“. Professor Kerres spricht von einer „Bildung die sich zu einer Welt verhält, die durch Digitale Technik geprägt ist.“ Die Aufgabe der Schule ist es, einen reflektierten und sinnvollen Umgang mit ihnen zu vermitteln. Sie sind allgegenwärtig und die Schülerinnen und Schüler müssen lernen, wie sie funktionieren, wie sie wirken und wie man diese Erkenntnis für sich nutzen kann. So entstand die Idee des dagstuhl-Dreieck im Jahre 2016:

Quelle: https://beat.doebe.li/bibliothek/img/w02886.png

Digitale Medien und Social-Media Kanäle beeinflussen bereits heute tagtäglich unser Leben. Für eine Teilhabe an der Gesellschaft wird daher in Zukunft ein Grundverständnis von Technik, Software und auch der Außenwirkung in einer vernetzten Welt notwendig sein.

Abschließend will ich noch Gedanken von Professor Kerres aufgreifen, der uns in einer neuen Epoche sieht. Auch das Kultusministerium spricht in seiner kürzlich veröffentlichten Bekanntmachung von einer vierten Kulturtechnik neben Schreiben, Lesen und Rechnen. Bildung muss sich zu einer von digitaler Technik durchdrungenen Welt verhalten und die Kinder auf ein Leben in dieser vorbereitet. Dabei wird der Lernerfolg nicht immer messbar sein, da hier oft schwer messbare, aber wertvolle Kompetenzen vermittelt werden. Ich bin gerne bereit, allen zu helfen und zu unterstützen, die digitale Lernwelten in ihren Unterricht integrieren wollen. Jedoch wünsche ich mir weniger Konsumhaltung und mehr eigenes Engagement. Was wir von unseren Schülern erwarten, sollten auch wir machen. Nämlich eine aktive Auseinandersetzung mit Gelerntem und einer vorurteilsfreien Offenheit und Neugier. So können wir am Ende alle davon profitieren.

 

Besucher

Monat 59

Insgesamt 4609

Kubik-Rubik Joomla! Extensions