Potenziale digitalen Lernens nutzen

am .

Professor Kollar "Förderung konstruktiv-interaktiven Lernens - Potenziale digitaler Medien jenseits von Beamer und Powerpoint"

Auf der mebis19 Tagung konnte ich einen Vortrag zu Lerneffekten digitaler Medien und geeigneten Maßnahmen für deren Steigerung anhören. Im Nachgang der Tagung wurde das Video für die Teilnehmer zur Verfügung gestellt, so dass ich mich mit diesem interessanten Thema intensiver auseinandersetzen konnte, als es so ein Vortrag erlaubt. Hier meine wichtigsten Erkenntnisse für alle die nicht dabei sein konnten. 

Herr Kollar stellte die Lerneffekte des Einsatzes von digitalen Medien in Bezug auf die Aktivierung von erwünschten Lernprozessen in Frage. Er nannte drei Gründe, warum digitale Medien im Zusammenhang mit Bildung so wichtig sind.

1. Die Ubiquität in der Lebenswelter von Schülern und Eltern. 

2. Teilhabe an medial gestützten Prozessen der Gesellschaft als Erziehungsziel von Schule.

3. Potenziale digitaler Medien zur Unterstützung von Lehr- und Lernzielen.


Bereits seine Kollegen Fischer, Wecker und Stegmann wiesen im Auftrag des Kultusministeriums in einem Bericht darauf hin, dass die Wirkung eingesetzter Medien umso höher ist, je mehr sie eine kognitive aktive (z.B. Notieren) und konstruktive (z.B. Argumentieren) Betätigung der Lernenden anregen. Diese These untermauerte er mit einige Beispielen und Untersuchungen. Dabei berief er sich auf das ICAP-Modell von Chi & Wylie.

Veranschaulichung des ICAB-Modell nach Chi & Wylie

Professor Kollar stellt daher das Zwischenfazit auf:

Es gibt Medien die einen größeren Effekt erzeugen als andere. Alle diese Medien haben gemeinsam, dass Schüler eine aktive Rolle einnehmen. Beim ConceptMapping stellte sich etwa heraus, dass der starke positive Effekt dieser Methode nochmals gesteigert werden kann durch Zusammenarbeit der Schüler beim Erstellen einer digitalen ConceptMap. Daher sollte Schule wenn möglich 

- räumlich (Raumausstattung) technisch (z.B. durch tablets) als auch softwaretechnisch (z.B. Zumpad, Padlet,..)

Vorraussetzungen für eine Zusammenarbeit der Schüler schaffen.

Als nächstes betrachtete Herr Kollar die aktuelle Situation. Dazu verwies er auf eine Studie, bei der Schulen befragt wurden nach digitalaffinen Kollegen, die regelmäßig diese Medien einsetzten. Die Befragung ergab, dass die Mehrheit vor allem Informations- und Präsentationsmedien einsetzte, gefolgt von Bearbeitungsmedien und an letzter Stelle mit dem geringsten Umfang (ca. 20%) Kollaborationsmedien.

Als Empfehlung spricht er eine stärkere Orientierung hin zu interaktiven Aktivitäten hin aus. Dabei ist es wichtig, dass auch diese Aktivitäten gut strukturiert werden und die Schüler gestuften Hilfen erhalten. Vor allem beim kollaborativen Lernen sollten die Instruktionen sehr strukturiert gegeben werden. Die Schüler dürfen nicht allein gelassen werden. So könnte die Lehrkraft beim Recherchieren gestufte Hilfen geben (Prüfe die Quelle auf ihre Zuverlässigkeit!, Liefert diese Quelle alle Informationen die du benötigtst?...)

Neben diesen interaktiven Aktivitäten können jedoch auch einfache Tätigkeiten der Lehrkraft wichtig sein. Das Aussuchen beispielsweise einer Quelle die geeignet ist.
Sie sollte drei Kriterien erfüllen:


1. Keine inhaltliche Belastung (Überforderung)
2. Keine sachfremde Belastung (Ablenkung vom Thema)
3. Eine lernrelevante kognitive Belastung (Interesse, Herausforderung)


Auf diese Art und Weise kann gewährleistet werden, dass die Arbeitsspeicherkapazität des Gehirns genug Freiraum für die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema hat.

Zum Abschluss zeigte Herr Kollar noch einige Tipps für eine lernförderliche Gestaltung von Medien. 

Fazit:

Digitale Medien haben vielfältige Potenziale, jedoch die kognitiven Prozesse sind entscheidendend für den Lernerfolg. Daher kommt der Lehrkraft nach wie vor die Schlüsselrolle für einen erfolgreichen Einsatz digitaler Medien im Unterricht zu.

Für mich wurde wieder einmal der Kollaborationsgedanke bestätigt und dessen Bedeutung. Ein sehr wichtiger Punkt, den man vielleicht unterschätzt ist, dass nur bei geeigneter Instruktion die Schüler effektiv zusammenarbeiten können. Die Schüler benötigen unsere Hilfe und man darf sich in diesen Phasen nicht zu stark zurückziehen. Auch bei so scheinbar leichten Tätigkeiten wie der Recherche sind gestufte Hilfen wichtig. Rein rezeptive Aktivitäten haben ihre Berechtigung, kognitive und interaktive sollten jedoch verstärkt eingesetzt werden!  

 

 

 

Besucher

Monat 499

Insgesamt 14722

Kubik-Rubik Joomla! Extensions