Wenn Digitalisierung kommt - Dann laufen wir davon!

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Sie kennen vielleicht noch das ähnliche Fangspiel aus Kindergarten/Grundschule, wenn Sie aus meiner Generation kommen. Das Unbekannte, das Ungeliebte oder einfach das Andere kann uns Angst machen. Auf dieser Grundlage treten wir Referenten an, die Digitale Bildung Lehrern näherzubringen. Wie kann man trotz zahlreicher Vorbehalte Kollegen motivieren?

Folgender tweet ist symbolisch für so manche Hürde bei der Fortbildung von Kollegen und hat mich bestärkt diesen Artikel zu schreiben.

Der nette und geschätzte Kollege beschreibt hier ein scheinbar öfter vorkommendes Phänomen. Und ich werde mich hüten, hier zu urteilen oder mit dem Finger auf die eine oder andere Seite zu zeigen. Stattdessen beschreibe ich, wie man aus meiner Sicht manche - jedoch sicher nicht jede - unangenehme Erfahrung vermeiden kann. Christian Mayr hat das hier auch schon mal beschrieben, was mir auch geholfen hat.

Jeder kann, keiner muss (alles). Argumentationshilfen!

Ich lese gelegentlich, dass Kollegen bei Fortbildungen mit den Worten beginnen: Das muss sich jeder jetzt mal ansehen, der Staat, die Schulleitung oder das Kultusministerium wollen das. Auch wenn eine gewisse Erwartungshaltung seitens des Arbeitgebers (berechtigterweise) vorhanden ist, würde ich niemals eine Fortbildung so beginnen. Kommen wir also zu den Alternativen. Anhand der drei Module der Fortbildungsoffensive will ich argumentative Alternativen aufzeigen! Wie wäre es damit:

1. Digitalisierung, Schule und Recht:

„Dank der Fortbildungsoffensive hat jeder von Ihnen die Möglichkeit, sich über digitale Medien und deren rechtskonformen Einsatz zu informieren. Die Selbstlernkurse helfen Ihnen nicht nur dabei, sondern stellen auch für die nächste Zeit eine Art Nachschlagewerk dar! Abgesehen davon haben Sie die Möglichkeit zeitlich unabhängig einen Fortbildungstag zu verdienen. Ein reines Durchklicken steht jedoch ihrer Verpflichtung entgegen, sich über Gesetze zu informieren und diese einzuhalten. Wie intensiv sie sich beschäftigen, ist jedoch ihre persönliche Entscheidung ....usw.“

Na wie klingt das, etwas besser als: Das ist Pflicht, Deadline 1.12. (was hoffentlich keiner sagen wird)

2. Ethik und digitale Welt:

„In diesem Modul finden Sie ein hochspannendes Thema, das weit über die Schule hinausgeht. Hardware und Softwarekenntnisse spielen hier kaum eine Rolle. Stattdessen können Sie damit ihrer Verantwortung gerecht werden, mündige Bürger zu erziehen. Gerade Fächer wie Religion, Philosophie, Ethik oder auch Sozialkunde können zahlreiche Ideen finden und die Schüler und ihr kritisches Denkvermögen ausbilden.“

3. Unterricht entwickeln:

„Sie wollten schon länger digitale Medien einsetzen, haben sich als Bedingung gesetzt, dass diese Lernerfolge bewirken. Oder Sie suchen nach Ideen für den Einsatz. Sie sind kritisch gegenüber Erfahrungen anderer Lehrer und wollen von echten Experten Tipps und Hilfen, dann sind sie in diesem Modul genau richtig. Neben den Interviews und der Beschreibung von sinnvollem Einsatz können Sie hier zahlreiche Beispiele finden. Nehmen Sie sich Zeit und arbeiten das Modul Stück für Stück durch.“

Zeigen, Inspirieren, Positive Erfahrungen sammeln

Nachdem ich im ersten Teil versucht habe, positive Argumente für die Digitale Fortbildungsoffensive zu sammeln, will ich Ihnen nun einen Vorschlag für die konkrete Vorgehensweise in einer Fortbildung geben. 

Auch auf die Gefahr hin, dass sich einige unterfordert fühlen, ist eine überforderte Mehrheit stets das größere Problem. Das bedeutet die Geschwindigkeit kann nicht langsam genug, die Schritte können nicht klein genug sein. Sollten sich Experten unter den Teilnehmern finden, nutzen Sie diese Ressource! Eine Aufteilung in zwei Bereiche ist meines Erachtens sinnvoll und hat sich bewährt. 

Teil1: Best Practice Beispiele

Sie können am Anfang erst mal zeigen, was alles möglich ist. Es werden sich schnell erste Interessenten für das eine oder andere Thema finden. Am besten wäre es, wenn sie mit ihren Beispielen erste Ideen in den Köpfen der Teilnehmer entstehen lassen. Wichtig ist dabei, dass sie zu Beginn betonen, dass diese Beispiele nicht alle von den Teilnehmern umgesetzt werden müssen. So nehmen Sie den Erwartungsdruck. Die Länge eines solchen Vortrags kann individuell gestaltet werden, aber nicht zu lang.

Teil2: Workshop

Gerade bei digitalen Medien sollte stets ein praktischer Teil eingebaut sein. Hier gilt es strukturiert vorzugehen und die Vorgehensweise genau zu planen. Unterstützendes Material sollte wenn möglich bereitgestellt werden, am besten digital. Jedoch bietet sich auch ein kleiner analoger Handzettel mit einem Link zu einem Mebiskurs und ein paar kurzen Instruktionen für den heutigen Tag an.

In dieser Phase ist natürlich die erste Voraussetzung, dass die Infrastruktur passt. Ein langsames WLAN, nicht funktionierende Computer/Tablets/Software ... sind Gift für die Motivation.

Haben Sie diese Vorraussetzungen geschaffen, so muss jeder Teilnehmer die Möglichkeit haben in seiner Geschwindigkeit vorzugehen, Fragen zu stellen und Hilfe zu erhalten. Eine Differenzierung nach Fähigkeiten ist hier sehr praktisch, Fortgeschrittene können sich in mebis beispielsweise an schwierigere Aktivitäten wagen. Bereits kundige Teilnehmer können aber auch prima Assistenten sein und sie sollten diese Möglichkeit immer nutzen, wenn Sie sich anbietet. Ich frage generell, ob jemand schon mit mebis mehr gearbeitet hat und mich unterstützen mag. Aber erwarten sie nicht zu viel, Teilnehmer genießen es auch gerne mal zu konsumieren. 😉

Fazit: 

Seien Sie diplomatisch, denn Sie wissen nicht welche Erwartungen, Ängste oder auch Enttäuschungen auf Seiten der Teilnehmer vorhanden sind. Auch wenn wir uns alle einig sind, dass eine zeitgemäße Bildung den digitalen Aspekt und die uns umgebende digitale Lebenswelt nicht ausklammern darf, so müssen wir trotzdem Geduld mit unseren Kollegen haben. 

Machen Sie ihre Kollegen neugierig und geben Sie ihnen die Zeit die sie brauchen. Seien Sie auch nicht zu streng mit sich selbst, denn gegen manche Vorbehalte und Vorurteile sind wir machtlos.

P.S.

Ich hoffe diese Zeilen helfen Ihnen bei der nächsten Fortbildung. Es sind alles andere als Lösungsmuster und Grundrezepte für eine gelungene Fortbildung, aber vielleicht eine kleine Hilfe.

 

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